Elisabeth-Selbert Schule Hameln

Typisch: Standbilder mit der BFRHb im Münster

Schüler mit BalerinaIm letzten Reli-Unterricht des Schuljahres 08/09 besucht die BFRHb am 11. Juni das Hamelner Münster, um die Ausstellung "Typisches und Sakrales" zu erleben. Es beginnt direkt, wenn die Schüler(innen) durch die Tür kommen. Ein Bettler aus bemaltem Styropor kniet auf dem Boden - und hat schon ein paar Münzen in der offenen Hand. Die Schüler(innen) und ihr Lehrer stocken, überlegen, sind irritiert und gehen weiter.
Und damit ist das Eis gebrochen. Kein(e) Schüler(in) geht vorsichtig von einer zur anderen der verschiedenen lebensgroßen Gestalten. Eine Gruppe beginnt auf der Stelle eine Diskussion mit dem afrikanischen Geschäftsmann. Es entstand dabei keineswegs der Eindruck, das Gespräch sei einseitig.
Schüler mit Mann in grün Zwei türkischstämmige Schülerinnen setzen sich zur muslimischen Frau in der Taufkapelle. Sie sprechen nicht mit ihr, aber sie freuten sich über die Anwesenheit der Skulptur, versuchten ihre Körperhaltung einzunehmen, ihren Blick zu teilen.
Die Klasse wählt dann drei Skulpturen aus, mit denen sie gerne gemeinsam fotografiert werden möchte. Hochinteressant uns spannend ist, dass die Schülerinnen - wie schon beim Betreten der Kirche - auch hier nicht typisch sind. Sie stellen Szenen nach, ohne dazu aufgefordert zu sein. Es ist nicht möglich, sich neben diesen lebendigen Gestalten einfach ablichten zu lassen. Stumme Dialoge, Handlungen, Alltag und Leben in der Kirche. Das erinnert enorm an die geschnitzten Altare, die Geschehnisse der Gottesgeschichte in die jeweilige Zeit der Künstler hinein modelliert. Auch hier wird modelliert: in der Reflexion, die anschließend in der Krypta stattfindet sagen Schüler(innen), was sie bewegt:
"Hier ist es irgendwie gut - ich gehörte plötzlich dazu!" "Die Muslima darf hier sein! Hier ist ja auch Gott!" und "Für eine kurze Zeit war die Kirche auch meine Kirche!"


Schüler beten Die Wanderausstellung entsteht in den Jahren 2005/2006 auf Initiative der Evangelischen Erwachsenenbildung in Sachsen. Gestaltet sind die Skulpturen in Dresden von der Theaterplastikwerkstatt "werk2" und Studierenden der Hochschule für Bildende Künste. Die Figuren stellen Menschen in Alltagskleidung und Alltagsposen dar und sollen Fragen anregen: Welche dieser Leute erwarte ich in der Kirche? Warum erwarte ich manche dort nicht? Wo haben diese Menschenplastiken ihren Lebensraum ... und wo ist meiner?
Von diesen Fragen ist es nur ein kleiner Schritt, die Tänzerin am Altar mit einer zärtlichen Geste an der Hand zu nehmen und die Oma in der Krypta in ihrem Zorn beizustehen. Der Reliunterricht lernt, das Schülerinnen und Schüler ihre individuelle Glaubens- und Nicht-Glaubens-Haltung gerne zeigen und auch gute und wichtige Sätze darüber zu sagen wissen. "Du bist nicht alleine, Maurer!"

Michael Frey

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